Nachhaltige Wildnutzung
🌍 Wildtiermanagement
Das südliche Afrika hat sich international einen Namen im Bereich Naturschutz gemacht, insbesondere im Wildtiermanagement. Ein entscheidender Erfolgsfaktor dabei ist das Prinzip der nachhaltigen Nutzung von Wildtieren, bei dem Namibia eine führende Rolle auf dem Subkontinent einnimmt.
Die Ursprünge dieses Ansatzes reichen zurück in die frühen 1960er Jahre. Aufgrund schwerer Dürren und eines Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche wurde die Rinderhaltung wirtschaftlich zunehmend unrentabel. Marga Vaatz, die Mutter des heutigen Eigentümers von Düsternbrook, war daher gezwungen, nach alternativen Nutzungsformen und Einkommensquellen zu suchen. Sie entwickelte das Konzept der Gästefarm und Jagdfarm in Namibia – damals ein völlig neues Modell in Afrika, da Jagd andernorts überwiegend auf staatlichen Flächen stattfand.
Eine grundlegende Voraussetzung dieses Modells war, dass Jagd strikt nachhaltig erfolgen musste.
Diese Idee fand schnell Anklang bei dürregeplagten Farmern. Im Jahr 1967 wurde die Gesetzgebung angepasst, sodass Farmer Wildtiere wirtschaftlich nutzen durften, einschließlich Trophäenjagd mit internationalen Gästen. Namibia gehörte damit zu den ersten Ländern der Region, die ein solches System einführten.
Auslöser dieser Entwicklung war eine entscheidende Erkenntnis: Wildbestände waren zuvor stark zurückgegangen, da Jagd weitgehend unkontrolliert stattfand und Wild keinen wirtschaftlichen Wert hatte. Mit der Einführung eines realen Wertes wandelte sich die Perspektive grundlegend – Wild wurde vom Konkurrenten zum wertvollen Gut. Farmer begannen, Wild aktiv zu schützen und zu managen, was zu einer deutlichen Erholung der Bestände führte.
Immer mehr Farmer übernahmen dieses Modell der nachhaltigen Wildnutzung, wodurch die Landwirtschaft stabiler wurde, da sie nicht mehr ausschließlich von der Rinderhaltung abhängig war.
In der Folge entstanden zahlreiche Gästefarmen und Jagdfarmen. Nach einigen Jahrzehnten führte dieses System auch zur Entwicklung von kommunalen Conservancies, in denen lokale Gemeinschaften heute das Recht haben, Wild nachhaltig zu nutzen. Ein entscheidender Faktor dabei ist, dass die erzielten Einnahmen in der Region verbleiben und zur Entwicklung, Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Naturschutz beitragen.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Wildbestände sind gestiegen, der Tourismus hat sich stark entwickelt, und Namibia ist heute ein weltweit anerkanntes Reiseziel für Natur- und Wildtiererlebnisse.
Es ist wichtig zu verstehen, dass Wildtiere historisch gesehen außerhalb von Nationalparks kaum wirtschaftlichen Wert hatten. Vor der Einführung nachhaltiger Jagd auf privaten Farmen wurden sie häufig als Konkurrenz zur Rinderhaltung betrachtet – insbesondere da die Viehwirtschaft staatlich gefördert wurde. Farmen wurden sogar mit dem Vorteil „wildfrei“ verkauft, da weniger Wild mehr Weidefläche für Rinder bedeutete.
Heute hat sich dieses Bild grundlegend gewandelt. Wild ist zu einer wertvollen Ressource geworden, die wirtschaftlich mit der Rinderhaltung konkurrieren kann – und das ohne Subventionen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass Farmer Wildtiere nicht mehr als Problem, sondern als Chance und wichtigen Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems sehen.
Studien zeigen, dass die Wildtierwirtschaft in trockenen Regionen ein Potenzial von bis zu 2,5-fach höheren Erträgenim Vergleich zur klassischen Viehwirtschaft hat.
Ein zentraler ökologischer Zusammenhang ist dabei entscheidend:
In Regionen mit mehr als etwa 500 mm Jahresniederschlag kann Ackerbau wirtschaftlich sinnvoll sein. In trockeneren Gebieten – wie in weiten Teilen Namibias – ist Landwirtschaft jedoch unsicher und stark schwankend. Unter diesen Bedingungen stellt die Nutzung natürlicher Ressourcen – insbesondere von Wildtieren – die nachhaltigste und zuverlässigste Form der Landnutzung dar.
Daraus ergibt sich ein weithin anerkanntes Prinzip im Naturschutz:
„Use it or lose it“ – oder „was sich lohnt, bleibt bestehen“.
Nach mehr als 40 Jahren praktischer Anwendung hat sich im südlichen Afrika eines der effektivsten Wildtiermanagementsysteme des Kontinents entwickelt. Wildbestände und Artenvielfalt haben deutlich zugenommen.
Auf Düsternbrook verfolgen wir diesen Ansatz durch eine Kombination aus Ökotourismus und streng limitierter, nachhaltiger Jagd. Es wird ausschließlich Niederwild bejagt, mit maximal etwa 10 Jägern pro Jahr. Das Fleisch wird zur Versorgung unserer Gäste, Mitarbeiter sowie im Rahmen unseres Raubtiermanagements verwendet – früher auch für unsere (heute eingestellte) Leoparden- und Geparden-Touristenattraktion.
Heute, im Jahr 2026, stellen wir erfreulicherweise fest, dass wieder vermehrt frei lebende Leoparden auf unserem Gebiet vorkommen – auch wenn Sichtungen natürlich nie garantiert werden können. Raubtiere wurden bei uns niemals bejagt, da wir davon überzeugt sind, dass sie eine zentrale Rolle für gesunde Wildbestände spielen, indem sie vor allem schwache Tiere selektieren.
Durch die Reduzierung der Rinderhaltung und die Fokussierung auf Wildtiere haben wir zudem die natürliche Nahrungsbasis für Raubtiere wie den Leoparden verbessert. Unser Ziel ist es, diesen Tieren große, ungestörte Lebensräume zu bieten, in denen sie sich frei bewegen können.
Die Einnahmen aus Ökotourismus und der begrenzten Jagd sind von zentraler Bedeutung für den Betrieb der Farm und das Wildtiermanagement – insbesondere für die Sicherstellung der Wasserversorgung sowie die Instandhaltung von Wegen und Infrastruktur.
Im Laufe der Jahre wurden zahlreiche ursprünglich in diesem Gebiet vorkommende Tierarten wieder angesiedelt, darunter Giraffen, Zebras, Gnus, Eland, Springböcke, Strauße, Kuhantilopen sowie im Jahr 2010 Flusspferde an unserem Damm.
Unser ganzheitlicher Ansatz – bestehend aus Naturschutz, nachhaltigem Bauen, verantwortungsvollem Umgang mit Wasser und Energie, Abfallmanagement sowie der Ausbildung und Beschäftigung lokaler Mitarbeiter – wurde mehrfach durch die Namibian Eco Awards ausgezeichnet.
Düsternbrook war die erste Gästefarm in Namibia, die diese Auszeichnung erhielt: 3 von 5 Blumen im Jahr 2005, gefolgt von 4 Blumen in den Jahren 2007, 2008 und 2012 sowie 5 Blumen im Jahr 2015.
Bis heute (2026) arbeiten wir kontinuierlich daran, unsere Abläufe weiter zu verbessern, nehmen jedoch aktuell nicht mehr aktiv an der Bewertung im Rahmen des Eco Awards teil.


