letzte Update: 3 Juni 2026
Kapitel 4 – Nachhaltige Wildnutzung
In Kapitel 3 wurde beschrieben, wie die Wasserversorgung durch Tiefbohrungen weitgehend gelöst werden konnte. Damit wurde die Voraussetzung geschaffen, große Teile Namibias landwirtschaftlich zu nutzen.
Das Wasserproblem wurde einigermassen gelöst das Einkommensproblem blieb jedoch bestehen. In Dürrejahren fehlte häufig das Gras für die Tiere, und viele Farmen waren wirtschaftlich stark vom Niederschlag abhängig. Wiederkehrende Dürren und die Maul- und Klauenseuche von 1961 führten dazu, dass nach zusätzlichen Einkommensquellen gesucht werden musste.
Aus dieser Situation heraus entstand auf Düsternbrook die erste Jagd- und Gästefarm Namibias. Die Idee stammte von Marga Vaatz, die Mutter des heutigen Besitzers, die eine Einkommensquelle schaffen wollte, die weniger von Niederschlägen abhängig war und gleichzeitig der heimischen Tierwelt einen wirtschaftlichen Wert gab.
Heute erscheint dieser Gedanke selbstverständlich. Damals war er revolutionär.
Wildtiere gehörten rechtlich weitgehend dem Staat und wurden von vielen Farmern eher als Konkurrenz zur Rinderhaltung betrachtet. Häufig galt die einfache Rechnung:
Für jeden Oryx weniger auf der Farm kann ein weiteres Rind gehalten werden.
Entsprechend wurden Farmen damals teilweise sogar mit dem Argument verkauft, sie seien „wildfrei“.
Die Idee der Jagd- und Gästefarm veränderte diese Sichtweise grundlegend. Durch nachhaltige Trophäenjagd erhielten Wildtiere erstmals einen direkten wirtschaftlichen Wert. Jäger blieben oft eine Woche oder länger auf der Farm. Dadurch entstanden zusätzliche Einnahmen aus Übernachtungen, Jagdgebühren und Trophäen. Gleichzeitig blieb das Wildbret auf der Farm und konnte für Mitarbeiter, Gäste oder die Herstellung von Biltong und anderen Produkten genutzt werden. Später entwickelte sich zusätzlich ein Markt für Wildfleisch.
Dadurch entstand ein zweites wirtschaftliches Standbein neben der Rinderhaltung. Viele Farmbetriebe wurden dadurch deutlich widerstandsfähiger gegenüber Dürreperioden.
Die gesetzliche Grundlage
Die positiven Erfahrungen führten dazu, dass die nachhaltige Nutzung von Wildtieren zunehmend politische Unterstützung erhielt.
Nachdem Pionierarbeit geleistet worden war und anfangs erheblicher Widerstand bestand, wurden Ende der 1960er Jahre die gesetzlichen Grundlagen geschaffen, die Farmern die wirtschaftliche Nutzung jagdbarer Wildtiere ermöglichten. Damit begann der eigentliche Aufschwung der Jagd- und Gästefarmen in Namibia.
Das zugrunde liegende Prinzip war einfach:
- Einnahmen aus Wildtieren sollen in der jeweiligen Region verbleiben.
- Menschen schützen langfristig nur jene Ressourcen, die für sie einen erkennbaren Wert besitzen.
Oder vereinfacht ausgedrückt:
If you do not use it, you lose it.
Auswirkungen auf Namibia
Aus diesen Entwicklungen entstand schrittweise ein völlig neuer Wirtschaftszweig.
Anfangs entwickelten sich Gästefarmen, Jagdfarmen, später Safari Lodges sowie noch später kommunale und private Conservancies. Namibia gehörte zu den ersten Ländern Afrikas, die Wildtiere nicht ausschließlich als staatliche Ressource betrachteten, sondern deren nachhaltige Nutzung als Instrument für Naturschutz und ländliche Entwicklung einsetzten.
Die Ergebnisse sind bis heute sichtbar. Wildbestände haben sich vielerorts erholt, der Tourismus entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor, und Namibia genießt heute international einen hervorragenden Ruf im Bereich des Wildtiermanagements und Naturschutzes.


