Geschichte von Düsternbrook

I

Kapitel 1: Die Geschichte von Düsternbrook

Die Geschichte der heutigen Düsternbrook Safari Gästefarm reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Bereits frühe Reisende und Entdecker wie Thomas Baines und James Chapman beschrieben das Gebiet als Otjihorongo, was übersetzt „Ort des Kudus“ bedeutet.

Otjihorongo lag an der historischen Bay Road, einer der wichtigsten Ochsenwagenrouten ihrer Zeit. Über diese Strecke wurden Versorgungsgüter von der Hafenstadt Walvis Bay in die zentralen Regionen des Landes transportiert. Nach dem Ausbruch der Lungenseuche entstand an einer Quelle bei Otjihorongo, bekannt als Dabi Poort, eine der ersten veterinärmedizinischen Quarantänestationen der Region. Die Station stand unter der Kontrolle von Jonker Afrikaner, einem der bedeutendsten Oorlam-Nama-Führer seiner Zeit. Ochsen aus seuchenverdächtigen Gebieten durften die Station nicht passieren und mussten gegen gesunde Tiere ausgetauscht werden, um die weitere Ausbreitung der Krankheit zu verhindern.

Im Jahr 1908 erwarb Kapitänleutnant Matthiesen die Farm und gab ihr den Namen Düsternbrook, nach einem Stadtteil seiner Heimatstadt Kiel in Deutschland. Damit erhielt die Farm ihren heutigen Namen.

1942 ging Düsternbrook in den Besitz der Familie Vaatz über. Nach den schwierigen Kriegsjahren wurde das Farmhaus 1949 renoviert und auf seine heutige Form erweitert. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Düsternbrook zu einem klassischen Rinder- und Milchbetrieb.

Ein bedeutender Wendepunkt folgte im Jahr 1961. Nach dem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche und den damit verbundenen Einschränkungen des Viehhandels gründete Marga Vaatz die erste Gästefarm und Jagdfarm Namibias. Damit entstand ein alternatives Einkommensmodell, das neben der Landwirtschaft auch auf Tourismus und die nachhaltige Nutzung von Wildtieren setzte.

Sehen Sie hierzu, am Ende der Geschichte, einen Bemerkenswerten Artikel von Marga Vaatz vom 6. März 1962.

„Dieser Artikel entstand zu einer Zeit, als Wildwirtschaft in Namibia praktisch nicht existent war so zu sagen noch in den Kinderschuhen schlummerte. Es brauchte eine Notsituation, wie sooft als Weckruf. Heute erkennen wir darin frühe Gedanken, die später für Naturschutz und Wildbewirtschaftung wichtig wurden.“

Nach rund zwölf Jahren wurde der Gästebetrieb wieder eingestellt. In den folgenden Jahrzehnten konzentrierte sich Düsternbrook hauptsächlich auf die Rinderhaltung sowie die nachhaltige Trophäenjagd.

1982 kehrte Johann Vaatz nach zwölf Jahren beruflicher Tätigkeit in Deutschland nach Namibia zurück. 1986 übernahm er die Leitung der Farm. Mit der Wiedereröffnung des Gästebetriebes im Jahr 1993 begann ein neues Kapitel in der Geschichte Düsternbrooks.

Der nachfolgende Artikel erschien in der Allgemeinen Zeitung in Windhoek am 6. März 1962, von Marga Vaatz. 

Was kostet ein Kudu?  

Wohlverstanden, ich frage nicht was kostet der Kudu, der Behn-Behnsensche Windhoeker Prachtkudu, sondern ein Kudu, ein ganz gewöhnlicher Veld-, Busch- und Klippkudu?

Die Jagdzeit steht vor Tür und es wäre doch einmal ganz interessant, nicht

liebenswürdig-gastfreundlich sondern kühlberechnend geschäftliche

Betrachtungen darüber anzustellen, was dem Farmer ein Kudu kostet.

Sollen Farmer, die Jahrzehntelang treue Heger ihre Wildes waren und noch sind, ihren Wildbestand auf der Kredit – oder Debitseite verbuchen? Seit der Würgegriff der Maul- und Klauenseuche uns an der Gurgel sitzt, ist die Kreditseite sowieso ein unbeschriebenes Blatt und kein Sich-die Haare-ausraufen ändert etwas daran.

Was zum Donner, kann man heute auf der Farm zu Geld machen? Die schönen Ochsen sind ein Achselzucken wert. ( Anmerkung J.Vaatz: weil der Farmer die Ochsen wegen der Maul- und Klauenseuche nicht verkaufen konnte. Er war gesperrt`) Und das Wild?

Ganz unbestritten ist das Wild für jeden Naturfreund ein ästhetisches Plus das nichts kostet und nichts einbringt. Nichts kostet?

„Sie haben doch noch soviel Wild auf der Farm. Könnte ich nicht einmal bei Ihnen einen Kudu oder Gemsbock schießen?“ Diese Frage haben wir sicher schon hundertmal gehört, aber nie mit dem Nachsatz: Was würde das kosten?

Setzen wir den Wert eines ausgewachsenen Kudus oder eines Gemsbocks eines Tollies gleich, also einem männlichen, anderthalb bis zweijährigen Kalb  ( + R14 bis R20.) Wer Wildherden auf der Farm hat, weiß, daß er entsprechend weniger Rinder halten kann auch wenn Kudus Laubfresser sind. Unsere Rinder fressen auch lieber Blätter, ehe sie in schlechten Jahren vor Hunger verrecken. So wollen wir den Fleischwert eines ausgewachsenen Kudus bei etwa 300 lbs (@10 cents) auf R 30 festsetzten.

Der Farmer fährt seine Jagdgäste auf der Suche nach den kapitalsten Kudubullen kreuz und quer durchs Gelände ~ Durchschnittsmeilenzahl, jedenfalls bei uns im Khomas Hochland, 60, bei einem Selbstkostenpreis von R 12,00 für einen Landrover ( R0,20 x 60 )

Der Farmer ist einen Tag unterwegs. Gönnen wir ihm als weißen Chauffeur einen Arbeitslohn von R1,00 pro Stunde? (Wenn ein Farmer etwas in der Stadt arbeiten läßt, wird ihm ein Arbeitslohn von R1,50 bis 2,50 angekreidet). Er sollte also für 8 Stunden R8,00 erhalten.


Er nimmt zwei schwarze Hilfskräfte mit die ihn zusammen pro Tag R 1,50 kosten (Lohn und Kost). Bisher kostet der erlegte Kudu bereits netto , dh ohne Verdienstspanne für den Farmer, zwischen R35.00 und R 40.00!

Auf der Rechnung fehlen pro Jagdgast noch ein opulentes Frühstück ein verspätetes Mittagessen (für Gäste das Beste), Kaffee und Kuchen und ein ausgedehnter Sundowner („ich trinke nur Whisky Soda „!) Ein zur Strecke gebrachter Kudu ( und die weidwund geschossenen?) kostet den Südwester Farmer netto gut und gerne R 40 und mehr.

Zu teuer? Was würden Sie als Geschäftsmann denn auf meiner Rechnung streichen? Außerdem ist teuer ein relativer Begriff. Ein mittelstarker Hirsch kostet in Deutschland rund DM1 000 (R180)! In Ostafrika kostet ein Jagdtag zwischen R80 und R140, ganz gleich, ob etwas zur Strecke gebracht wird oder nicht.

Kann es sich der Südwester Farmer, dem durch die Maul- und Klauen-seuche die sichere Grundlage seiner Existenz über Nacht vernichtet wurde heute noch leisten nur gastfreundlich zu sein und nicht geschäftlich zu denken?

Wenn er das geschäftliche Denken lernt, wird das Wild zu einem unbestreitbaren Vermögenswert, und der Farmer hat nicht nur ein ästhetisches, finanzielles  Interesse daran, seinen Wildbestand zu erhalten und zu erweitern.

Die Biltong-Schießerei würde schlagartig aufhören.

Marga Vaatz

Farm Düsternbrook, Postfach 870, Windhoek.

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